Was ist Schönheit?

Verschiedene Persönlichkeiten werden schön, wenn sie verschiedene Eigenschaften besitzen. Canakya Pandita sagt, daß der Kuckuck zwar sehr schwarz, aber aufgrund seines lieblichen Gesanges dennoch schön ist. In ähnlicher Weise wird eine Frau schön durch ihre Keuschheit und die Treue gegenüber ihrem Mann, und ein häßlicher Mensch wird schön, wenn er ein Gelehrter wird. In derselben Weise werden Brahmanas, ksatriyas, vaisyas und sudras durch ihre Eigenschaften schön. Brahmanas sind schön, wenn sie nachsichtig sind, ksatriyas, wenn sie heldenhaft sind und niemals vom Schlachtfeld fliehen, vaisyas, wenn sie mit Erfolg landwirtschaftlichen Tätigkeiten nachgehen und die Kühe beschützen, und sudras, wenn sie ihre Pflichten getreu erfüllen, wie es ihr Meister von ihnen verlangt. Auf diese Weise wird jeder durch seine besonderen Eigenschaften schön, und die Eigenschaft, die vor allem den Brahmana auszeichnet, ist, wie hier gesagt wird, die Fähigkeit zu verzeihen.

Ich möchte noch einmal erwähnen, dass die hier aufgeführten Zitate aus den Veden in keinem kausalen Zusammenhang stehen, sondern alle einzelne Mosaiksteine des Wissens darstellen, die zusammengesetzt ein Bild ergeben. Oft müssen wir gleichzeitig an verschiedene Dinge denken, die erstmal in keinem Zusammenhang stehen, aber dennoch für Erfolg oder Misserfolg eines Projektes verantwortlich sind. 

Ein Bäcker kann sein Brot nicht fertig backen, weil er von großen Schmerzen daran gehindert wird, obwohl die Schmerzen nichts mit seiner Arbeit zu tun haben, sondern anderer Herkunft sind. Er muss sich nun um ein Schmerzmittel kümmern und gleichzeitig macht er sich Sorgen um eines seiner Kinder. Während er nun darauf achtet, dass der Teig nicht zusammenfällt, muss er ein wichtiges Telefongespräch führen und wird dabei von einem Mitarbeiter unterbrochen.

Viele Dinge können auf einen hineinstürzen, die nichts miteinander zu tun haben, aber trotzdem gleichzeitig beachtet werden müssen.

So ist es auch mit der Wahrheit. Obwohl wir vielleicht schon viele Bausteine der Wahrheit kennen, werden wir nie die ganze Wahrheit sehen können. Das kann nur Gott.

Und trotzdem bringt uns jedes auch nur so kleines Mosaiksteinchen der Wahrheit wieder etwas näher. 

Im letzten Zitat erklären uns die Veden, dass Schönheit nicht nur etwas mit einem schönen Körper zu tun hat, sondern von vielen Faktoren abhängig ist. 

Viele von uns können sich vielleicht noch an den Schauspieler und Komiker Heinz Erhardt erinnern. Die meisten, die ihn nicht kannten, wären sicherlich bei diesem dickleibigen schwitzenden Mann auf Abstand gegangen, wenn sie ihn vor der Vorstellung im Foyer des Theaters angetroffen hätten. 

Auf der Bühne aber gewann er die Herzen aller Zuschauer, und alle hätten nach der Vorstellung seine Nähe gesucht.

Ein kantiger und hässlicher Mann wird plötzlich anziehend, weil er anderen Menschen in größter Not geholfen hat und ihnen vielleicht das Leben gerettet hat.

Eine körperlich hässliche Mutter wird plötzlich wunderschön, weil sie so liebevoll mit ihren Kindern umgeht.

Genauso können Menschen mit einem anziehenden Körper plötzlich hässlich erscheinen, weil sie böses tun.

Liebe bedeutet, dass wir uns nicht nur von einem schönen oder hässlichem Körper blenden lassen. Liebe bedeutet genaueres Hinsehen. Das Herz des anderen erkennen. Und nur an den anderen denken, und nicht an sich selbst. Nicht an die eigenen Vorlieben denken, sondern an die Bedürfnisse des anderen. Dann werden wir mit einem Gefühl der wahren Liebe belohnt, obwohl dies nicht der Grund ist, warum wir es tun.

Auch ein Mensch besteht aus vielen Mosaiksteinchen, die wir nur durch genaueres Hinsehen erkennen können. Aber dieses Hinsehen erfüllt uns mit wahrer Freude. Plötzlich wird ein dickleibiger nach Schweiß riechender Mensch wunderschön, weil wir genau hingesehen haben. Und wir freuen uns, weil wir es getan haben, weil wir uns die Mühe gemacht haben. Obwohl uns viele und vieles davon abhalten wollten.

Noch eine größere Freude empfinden wir natürlich, wenn wir Steinchen für Steinchen die Wahrheit erkennen. Wenn sich Schritt für Schritt der Nebel vor unseren Augen lichtet und wir Klarheit gewinnen.

Klarheit bedeutet aber auch, dass wir weiter suchen müssen. Wir können uns nicht auf einigen wenigen Erkenntnissen ausruhen.

Don Juan, ein Zauberer aus den Büchern Carlos Castañedas nannte die vier Feinde der Weisheit.

Angst, Klarheit, Macht und Alter.

Zuerst verhindert die Angst vor dem Hinfallen, dass wir z.B. das Fahrradfahren erlernen. Wenn wir die Angst überwunden haben, gewinnen wir Klarheit und können plötzlich mit dem Fahrrad überall hinfahren.

Nun fühlen wir uns stark und fahren mit dem Fahrrad von A nach B und vergessen dabei auf den Verkehr zu achten. Die Klarheit macht uns blind für anderes, was aber auch sehr wichtig ist.

Wenn wir nun auch den Verkehr beachten, fahren wir sicher von Ort zu Ort. Nun besitzen wir Macht über das Fahrradfahren. Wir haben nun alles unter Kontrolle, und es kann uns nichts mehr passieren.

Die Macht aber kann man für Positives oder Negatives einsetzen. Man kann das Fahrrad als Fortbewegungsmittel einsetzen, oder man benutzt es, um älteren Frauen die Handtasche zu stehlen. Nun ist es von Bedeutung, wie man die gewonnene Macht einsetzt.

Der letzte Feind nach Don Juan ist das Alter. Man sagt, man ist zu alt fürs Fahrradfahren und läßt das Fahrrad im Keller stehen.

Ein Weiser lebt weiter und setzt all seine Erfahrung so ein, wie es ihm möglich ist. Für die Liebe. 

Und das ist die wahre Schönheit.

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